BLACK ANGELS - 25.11.2012, 20:00, Kongress am Park Augsburg


Festival der 1000 Töne: Tradition trifft Postmoderne - Musik zum Totensonntag.

Die Auseinandersetzung mit dem Tod führt von den Anfängen menschlicher Kultur bis in unsere postmoderne, hoch technisierte Welt. Religiosität und Spiritualität, traditionelle Vorstellungen und zeitgenössische, teils atheistische Visionen vom „Jenseits“ - auch scheinbar disparate Pole des künstlerischen Umganges mit der existentiellen Frage spiegeln auf der ganzen Welt und zu jeder Zeit das menschliche Dasein in ganz besonderer Weise....


Dialog-Saal des Kongress am Park Augsburg.
Gögginger Straße 10

Veranstalter: Theatergemeinde in Zusammenarbeit mit MEHR MUSIK! und dem
Kulturhaus Kresslesmühle/Festival der 1000 Töne.
Eintritt: € 15.— / € 10.—
Karten: Abendkasse, Reservierung: 0821 30984 (Theatergemeinde Augsburg)


Franz Schubert (1797-1828)

„Der Tod und das Mädchen“


Streichquartett Nr. 14 d-moll op. posth D 810 (uraufgeführt 1826)

Allegro
Andante
Scherzo. Allegro molto
Presto


George Crumb (* 1929)

Black Angels (Images I)
Thirteen images from the dark land

für elektrisch verstärktes Streichquartett sowie 2 Tamtams, 3 Glasharfen, 2 Maracas, 6 Fingerhüte und 3 Glasstäbe. (uraufgeführt 1970)

DEPARTURE
Threnody I: Night of the Electric Insects
Sounds of Bones and Flutes
Lost Bells
Devil-music
Danse Macabre
ABSENCE
Pavana Lachrymae
Threnody II: Black Angels!
Sarabanda de la Muerte Oscura
Lost Bells (Echo)
RETURN
God-music
Ancient Voices
Ancient Voices (Echo)
Threnody III: Night of the Electric Insects



Ensemble Zukunftsmusik:

Agnes Malich - Violine
Dace Salmina - Violine
Christian Döring - Viola
Johannes Gutfleisch - Violoncello



Vorschau von „Blackangelsflyer“
Das Mädchen:
Vorüber! Ach vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühre mich nicht an.

Der Tod:
Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund und komme nicht zu strafen.
Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen!


Matthias Claudius (1740–1815)


Eine besondere Stellung innerhalb seines Schaffens nimmt Schuberts d-Moll-Quartett "Der Tod und das Mädchen" ein. Seinen Namen trägt es von Schuberts gleichnamigem Lied, nach einem Gedicht von Matthias Claudius, welches Grundlage der großangelegten Variationsfolge des zweiten, langsamen Satzes ist. Die existentielle Bedrohung, der in diesem Werk zwischen Hoffen und Bangen Ausdruck verliehen wird, verbindet jedoch inhaltlich das gesamte Quartett, wie sich auch motivische Bezüge quer über alle Sätze feststellen lassen. Ein Jahr vor seinem Tod schien der noch nicht 30-jährige Komponist seine Angst vor einem Scheitern seines irdischen Daseins in Musik gießen zu wollen, auslaufend in ein kühnes, gehetzes, völlig ruheloses Schlussrondo, das wenig Raum für Hoffnung lässt. (Tilmann Böttcher)


Der Amerikaner George Crumb widmete "Black Angels" nachträglich dem Gedenken an den Vietnam-Krieg, unter dessen Eindruck es im März 1970 fertig gestellt wurde: "I came to recognize that there was something of the feeling of that strange time. That's when I called it music in tempore belli, in time of war."
Black Angels, gefallene Engel, himmlische und teuflische Sphären werden in diesem Stück auf vielfältige und dramatische Weise musikalisch dargestellt - Teufelstriller, Teufelsgeigen, kreischende Ponticello-Tremoli, teuflische Intervalle und das dies-irae Thema, als Bestandteil der Totenmesse. Auf der anderen Seite erklingt himmlische Sphärenmusik - Glasharfe und Cello verkörpern die himmlische Stimme Gottes.
Dabei ist Crumbs Musik voller Zahlensymbolik: die gesamte Struktur des Werkes kreist vom formalen Aufbau bis hin zum Tonmaterial um die Zahlen 7 und 13. Als Geister-Beschwörungsformeln tauchen die Zahlen auch immer wieder auf Deutsch, Englisch, Japanisch, Ungarisch und Russisch als geflüsterte und gesprochene Worte auf. Die Fertigstellung der Komposition datiert Crumb in der Partitur mit „Friday 13th“.
Abgesehen vom starken inhaltlichen Bezug zu Schuberts Quartett erklingt auch bei Crumb das berühmte Liedthema in stark verfremdeter alte-Musik-Ästhetik: Durch eine besondere Spieltechnik ähnelt der elektrisch verstärkte Klang der Streichinstrumente dem modernen Zerrbild eines mittelalterlichen Gambenensembles und greift damit zurück zu den Ursprüngen des „Tod und das Mädchen“-Motivs, das spätestens seit der Renaissance durch bildende Kunst, Literatur und Musik „geistert“. (Johannes Gutfleisch)