"CIRCULAR TIME" - 22. Oktober 2009


George Crumb - eine Hommage zum 80. Geburtstag

Ein Konzert im Rahmen von Klanghalle / 09
Ort: H2 - Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast

Vox Balaenae


Iris Lichtinger - Klavier
Judith Müller - Flöte
Detmar Leertouwer - Cello

Quest („Suche“)


Hans-Christian Dellinger - Saxophon
Dimitri Lavrentiev - Gitarre
Sebastian Hausl - Percussion
Christine Gruber - Harfe
Ursula Trappe - Kontrabaß
Anne Hausl - Hackbrett
Kevin John Edusei - Leitung

George Crumb



http://www.georgecrumb.net/
http://de.wikipedia.org/wiki/George_Crumb
http://www.musikmph.de/rare_music/composers/a_e/crumb_george/1.html

Vox Balaenae


Zu Vox Baelanae haben Crumb die Gesänge der Buckelwale inspiriert. Einige der seltsam glucksend-pfeifenden Tiefseelaute werden hier mit Hilfe eines elektrisch verstärkten Cello angespielt. Ebenfalls elektrisch nachgerüstet komplettieren Flöte und Klavier das Ensemble, wobei der Flötist auch zu singen hat – in sein Instrument hinein, so dass ein blurbelnder Unterwasser-Sound entsteht. Ungewöhnliche Spielweisen sorgen auch beim Klavier dafür, dass dessen erdhaft grollender oder sphärisch flirrender Klang wie von einer anderen Welt zu stammen scheint.

Quest (Suche)


entstand auf Ersuchen des Gitarristen David Starobin und als Auftragswerk der Albert Augustine, Ltd. Die letzte Revision des Werkes wurde im Februar 1994 vollendet; sie ist David Starobin und Speculum Musicae gewidmet.

„Im Laufe der Jahre hat David Starobin praktisch alle Partien gespielt, die ich für Zupfinstrumente geschrieben habe: Mandoline in Ancient Voices of Children, Elektrische Gitarre in Songs, Drones, and Refrains of Death, Sitar in Lux Aeterna und Banjo in Night of the Four Moons. Als er mich um dieses neue Stück bat, waren seine Vorgaben lediglich, daß ich für akustische Gitarre schreiben und das Instrument solistisch behandeln sollte.
Anfangs spielte ich auch mit dem Gedanken, ein Solostück zu schreiben, doch meine Unsicherheit über die Technik und Idiomatik der Gitarre ließen mich bald ein Ensemblestück entwerfen. Innerhalb des festgelegten Sextetts spielt die Gitarre die Hauptrolle, doch können auch andere Instrumente, namentlich das Sopransaxophon, die Haupt-„Stimme“ übernehmen. Die Einbeziehung vielfältigster Schlaginstrumente lieferte mir eine äußerst farbige Palette an Timbres und Klangmöglichkeiten. Dabei bemühe ich eher ungewöhnliche Instrumente wie das Hackbrett aus den Appalachen, die Sprechende Trommel Afrikas und den mexikanischen Regenstab.
Ein poetisches Fundament für Quest habe ich nie sehr klar in Erwägung gezogen. Ich weiß noch, daß ich an Bilder wie den berühmten Anfang von Dantes Inferno („Als unseres Lebens Mitte ich erklommen, befand ich mich in einem dunklen Wald ...“) und eine Zeile von Lorca („Die dunklen Pfade der Gitarre“) dachte; auch sah ich während der Skizzierung den Zusammenhang zwischen gewissen musikalischen Gedanken und der Idee der „Suche“ als einer langen, qualvollen Reise, die zu einem ekstatisch-verklärten Gefühl des „Ankommens“ führte. Doch trotz der poetischen und symbolischen Satzüberschriften gibt es keine präzise programmatische Bedeutung. Es wird in diesem Werk ein musikalisches Zitat verwendet: das Sopransaxophon spielt Phrasen aus dem berühmten Lied Amazing Grace – erstmals am Ende von Dark Paths über einem delikaten Geflecht aus Schlagzeugklängen und schließlich in Nocturnal über einem regelmäßig sich verlangsamenden Ostinato leerer Quinten, die von Harfe und Kontrabaß gespielt werden. Auf der allerletzten Seite der Partitur intoniert die Harmonika – oder wie in dieser Aufnahme: die Concertina – ein fernes Echo dieser Weise.
Die Komposition von Quest wurde zu einer mühevolleren „Suche“, als ich mir hätte vorstellen können. Eine unvollständige Fassung wurde schon 1989 als workin- progress in Amsterdam aufgeführt, doch erst nach etlichen Jahren der ständigen Revision erreichte das Werk seine gegenwärtige Form.“

Quelle: Naxos